Ein kleiner Rundgang durch die Gemeinde Matzen

GemeindeamtUnser Spaziergang in der Gemeinde Matzen beginnt am Hauptplatz Nr. 1 vor dem renovierten Gemeindeamt.
Hier fällt vor allem unser „Lebensbaum“ auf, der künstlerisch und handwerklich in bemerkenswerter Arbeit von der OMV-Werkstätte gestaltet wurde. Er stellt die Zusammengehörigkeit der drei Katastralgemeinden unserer Großgemeinde - Klein Harras, Matzen und Raggendorf - dar und zeigt die Grundlagen unserer Wirtschaft: den Ackerbau, den Weinbau und die Erdöl- bzw. Erdgasförderung.

LebensbaumIhm gegenüber sehen wir das „Erdölgemeinden-Denkmal“ mit einem  Weinviertler Stein und mehreren Original-Bohrköpfen. Es erinnert an die Gemeinschaft der Erdölgemeinden der Region, die von Matzen aus verwaltet und betreut werden.
Wenden wir uns nun zur gegenüber liegenden nördlichen Seite des Hauptplatzes. Mitten im Springbrunnen sehen wir die Steinfigur eines Bären, des Wappentieres Matzens. Er präsentiert uns unser Ortswappen, das die weltliche und die geistliche Ortsgemeinschaft – durch den Bären und durch die Insignien des Kirchenpatrons St. Leonhard – symbolisiert.
Das „Erdölgemeinden-Denkmal“ mit einem  Weinviertler Stein und mehreren Original-BohrköpfenHier können wir auch gut sehen, wie der beeindruckend große Hauptplatz die Hauptstraße unterteilt. Sie stellt den ältesten Teil Matzens dar. Im Gebiet der Oberen Hauptstraße befinden sich bemerkenswerte „Erdställe“. Sie sind, so weit bekannt, genau erforscht und vermessen. Sie stellen bis heute eines der größten Rätsel in unserer Region dar. [Siehe die Publikation des Matzner Archivteams: „Unser Matzen – Nr.16“: Die Erdställe Matzens.]
Die Kirchengasse führt uns in leichter Steigung zum imposanten Kirchenbau. Auf der Kirchenmauer sind drei Figuren (Schutzengel, Johannes Nepomuk und Gnadenstuhl) einen genaueren Blick wert.
Statue der Hl. BarbaraDie Kirche ist dem Hl. Leonhard geweiht. Sie wurde in dieser großen Form 1959 errichtet und löste ein kleines Kirchlein aus der Zeit der Gotik ab, von dem nur der Turm erhalten blieb. Außen fällt an der Westfront die mächtige Statue der Hl. Barbara, der zweiten Kirchenpatronin und der Schutzpatronin der Bergleute und damit der OMV-Arbeiter neben zwei Gedenktafeln auf. St. Barbara zu Ehren findet jährlich anfangs Dezember die Barbarafeier statt, welche die Pfarrgemeinde, die Katholische Arbeitnehmerbewegung und die aktiven und pensionierten Mitarbeiter der OMV zusammenführt. In der Kirche befinden sich viele hochwertige Kunstwerke, wie der Mosaikkreuzweg, das mächtige Altarkreuz, mehrere Stahlplastiken, die barocken Heiligenfiguren und die bunten Glasfenster, die bei Sonnenbestrahlung besonders schön ihre Pracht zeigen. [Siehe: „Unser Matzen - Nr.25“: Kirchenführer]
Östlich der Kirche befinden sich die Aufbahrungshalle und die alte Gruft der ehemaligen Schlossherrschaft, der Familie Kinsky.
Westlich des Kircheneinganges führt der Weg weiter hinauf zum Waldbad, das - immer wieder sorgfältig renoviert - an heißen Sommertagen besonders bei den Kindern sehr beliebt ist.
KalvarienbergWenn wir nun wieder die Kirchengasse hinunter gehen und uns nach links in Richtung Schloss wenden, fällt uns neben der Schlossstiege das beeindruckende Ensemble von 12 großen barocken Steinfiguren auf, unser „Kalvarienberg“. Wie diese Kunstwerke (die meisten von höchster künstlerischer Qualität) nach Matzen gekommen sind, ist bis heute ungeklärt, aber wahrscheinlich stammen sie aus dem Verkaufsgut aufgelassener Klöster unter Kaiser Josef II. Seit langem wurden sie auch in bedeutenden Kunstführern (z.B. im nö. „Dehio“) fälschlich als „14 Nothelfer“ bezeichnet, obwohl sie weder diese hoch verehrten Schutzheiligen darstellen noch 14 an der Zahl sind. Anlässlich der jetzigen Restaurierung soll wieder zum alten Namen „Kalvarienberg“ zurückgekehrt werden, denn die Figuren „stellen in ihrer Gesamtheit ein seltenes Unikat dar, das im Rahmen einer geeigneten Situierung ein hervorragendes Schaustück des Weinlandes ist“ (Fachgutachten).
In der nächsten Rechtskurve ist das alte Gebäude mit dem Hauszeichen der Schmiede bemerkenswert.
Das mächtige Gebäude links über der Straße ist das ehemals herrschaftliche Presshaus, an dem an der Nordfront noch immer das Blätterwappen der Familie KinskyBlätterwappen der Familie Kinsky und an der SO-Ecke schwache Reste einer Quader-Eckbemalung zu erkennen sind.
Rechts der Straße folgt das Gebäude der Winzergenossenschaft. Es markiert auch den Eingang in den ehemaligen Hof- und Zehentkeller. Dieser Keller ist von so gewaltigen Ausmaßen, dass man mit Most- oder Weinwägen hineinfahren und in der Vierung sogar umdrehen konnte. Sein Fassungsvermögen betrug 16.000 bis 20.000 Eimer (8 – 10.000 Hektoliter). Heute sind in ihm noch einige große Fässer und mehrere Zisternen zu beachten. Er ist bei den Barbarafeiern der stimmungsvolle Rahmen für eine allgemeine Bewirtung durch die OMV.
Schloss MatzenDie Schlossstraße führt uns weiter zum Schlosseingang. Der Schloss-Bau geht auf eine sehr alte Grenzfestung zurück, stammt aber in seinem heutigen Aussehen im Wesentlichen aus dem 19. Jahrhundert. Vier berühmte Geschlechter waren Eigentümer des Schlosses: die Hauser, die Herberstein, die Fünfkirchen und die Kinsky. Es ist heute in Privatbesitz und leider nicht allgemein zugänglich. In den 70er und 80er Jahren d.v.Jhdts war es als Außenstelle des Wiener Völkerkundemuseums und  als besonders romantischer Spielort der „Matzner Schlossspiele“ und mancher – auch internationaler - Veranstaltungen ein recht bedeutendes regionales Zentrum.
Auf dem weiteren Weg bergauf kommen wir an einem kleinen asphaltierten Platz vorbei. Er war ursprünglich einer der Matzner Sportplätze, dann „Eselranch“ und auch Natur-Eislaufplatz war.
Dann sehen wir linkerhand den Eingang in den modernen großen Sportplatz der Matzner Fußball-Begeisterten. Nur wenig weiter liegt rechts ein freier Rasenplatz mit Toren, der zur freien Verwendung für Sport und Spiel einlädt.
HubertuskapelleIhm gegenüber ist die Hubertuskapelle ein beliebter Ausgangspunkt für Spaziergänger, Wanderer und Läufer, die hier direkt im Wald eintauchen können. Etwas versteckt befindet sich westlich der Wegkreuzung der Zugang zu einem ruhigen Waldrastplatz sowie zum Waldlehrpfad, der in einem kurzen Rundwanderweg über das „Teufelsbrücklein“ wieder zurückführt.
Wir gehen von der Hubertuskapelle auf der sogenannten Wald- oder Höhenstraße weiter und können rechterhand einen unvergleichlichen Blick ins Marchfeld erleben. Nach etwa einem Kilometer tritt der Wald plötzlich im rechten Winkel zurück. Diese Ecke ist der „Karpatenblick“. Die Stelle spielte in den Kampftagen des 2.Weltkrieges eine wichtige Rolle als Beobachtungsort und als Geschützstellung. Heute kann man von hier aus bei klarem Wetter einen gewaltigen Rundblick genießen, der von den Wiener Hausbergen, den SchneebergWiener Stadttürmen, bis zum Schneeberg, dem Leithagebirge, den Hundsheimer Bergen, der Stadt Pressburg/Bratislava mit ihrem Fernsehturm und den Karpaten reicht. Besonders nachts bieten das beleuchtete Wien und manche hellen Ortschaften einen wunderschönen Anblick. Unübertreffbar ist die Aussicht in der Silvesternacht.
KarpatenblickVom „Karpatenblick“ gehen wir südwärts entlang einer Marillenplantage den Hügel hinab am Windrad vorbei und kommen zu einem interessanten kleinen steilen Hohlweg, der uns wieder in Dorfnähe zurück bringt. Die Friedhofsmauer geleitet uns zur Hauptstraße. Neben dem Friedhof-Haupteingang erinnert die „Halzlglocke“ an alle Ziviltoten der Kriege. Sie wird bei Begräbnissen zur „Heimkehr der Toten“ geläutet.
Die Bahnstraße führt uns zurück ins Ortszentrum. Linkerhand sieht man die Hauptschule und dann kommt man zum Kreisverkehr am Josefsplatz. Die Statue des Schutzpatrons der HalzglockeFamilien ist von einer modernen Stahl-„Kapelle“ geschützt.
Hier zweigt die Reyersdorferstraße im spitzen Winkel gegen Südost ab und führt uns nach wenigen Schritten über den Parkplatz zum „Optimum“, dem Matzner Sport- und Veranstaltungszentrum mit Eislaufplatz, Sportplatz, Kultursaal, Hallenbad und Sauna.
Wir kehren zum Josefipark zurück und folgen der Hauptstraße - vorbei am Kino und an einigen Geschäftslokalen - bis zu den „Kanonen“ und dem Kriegerdenkmal vor dem Landesjugendzentrum. Diese alten Josefipark Haubitzenrohre erinnern an die ehemalige Bedeutung Matzens und des Matzner Arsenals, als von hier aus der Weinviertler Landsturm versorgt worden ist. (Ein großer Teil der Matzner Waffensammlung ist heute Bestandteil der Waffensammlung auf Burg Kreuzenstein.)
Zwei Häuser weiter (Hausnr. 20) sehen wir das schöne Bürgerhaus des früheren Präsidenten des Matzner Bezirksgerichtes, das „Thusihaus“ (nach seiner Tochter Thusnelda). Neben einigen Wohnungen beherbergt es heute das Standesamt. (Der Matzner Weinmarkt, an den hier die Tafel erinnert, musste seine Tätigkeit vor einigen Jahren wieder einstellen.)
Am Hauptplatz beenden wir unseren Rundgang.


Vieles haben wir dabei gesehen, aber Matzen bietet für Interessierte auch noch manch anderes Interessante: frei wachsende seltene Pflanzen (z.B. Orchideen, Zwergmandel u.a.), die drei Kreuze am „Drei-Kreuze-Weg“ im Wald, viele Feldkreuze und vor allem die in Kunstkreisen gut bekannte gotische Monstranz, die sich heute im Wiener Diözesanmuseum befindet und nur zu ganz besonderen Anlässen in Matzen zu sehen ist. [Siehe: „Matzen speziell – Interessantes und Bemerkenswertes“] --
Auf einige Veranstaltungen von weit überörtlicher Bekanntheit sei hier auch noch hingewiesen: Die Matzner Sommerspiele, die Konzerte des Singkreises Matzen, die Gastgruppen aus aller Welt im Rahmen des Projektes „Matzen International“, die immer sehr gut besuchten Matzner Märkte, die Sonnwendfeier, die Barbarafeier u.a.

Es lohnt sich, Matzen zu entdecken!